Selbstständige fühlen sich “hilflos”, Zahlungen aufschieben verursacht nur Probleme

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Kanarische Inseln – Die Coronakrise hat eine Gruppe besonders „hilflos“ dastehen lassen, die Selbstständigen. In dem Moment als der spanische Staat den Ausnahmezustand ausgerufen hat, wussten alle, es wird hart, man begann die Gelder zu zählen, die noch irgendwo vorhanden sind und überlegte wie man damit zurechtkommen soll. Hilfen gibt es bisher keine, bzw. nicht ausreichen, denn eines ist ganz klar die Stundung für Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen oder Mieten oder Steuern „ist nicht genug“ sagen Selbstständige, die genau wissen, das man mit diesen Hilfen evtl. nicht diesen Monat Pleite geht, aber dann in den Monat in dem diese Zahlungen nachträglich eingefordert werden.

Viele Menschen auf den Kanaren sind davon betroffen nicht nur das offensichtliche wie Bars und Restaurants sowie kleinste Hotelbetriebe, sondern auf Physiotherapeuten, Taxifahrer, Friseure und Steuerberater, diese Liste kann man noch endlos weiterführen. Keiner bekommt einen Euro in die Tasche, man kann und darf nicht arbeiten, aber alle Kosten laufen weiter wie bisher.

Viele sind sich daher einig, man führt sich von der Zentralregierung „im Stich gelassen“, die Grundpfeiler der Wirtschaft in Spanien sind die kleinen bis mittleren Selbstständigen, das ist fast in jedem Land so. Trotzdem hat man diese Gruppe bisher kaum wirklich berücksichtigt. Daher ist es verständlich, dass der Unmut gegenüber der Politik immer lauter wird.

„Wir wissen, dass die genehmigten wirtschaftlichen Maßnahmen die Probleme von jetzt nicht lösen werden, dieser werden sie sogar noch verschlimmern“, sagt die Physiotherapeutin Carolina Miripuri bei Canarias7. Eine ähnliche Aussage traf auch Miguel Medina, er betreibt eine Taekwondo-Schule in Las Palmas, er sagte, dass die genehmigten „Zahlungsaufschiebungen nicht nur nichts lösen, sondern zusätzliche Probleme hinzufügen, wenn wir keine Einkommen haben, ist es unlogisch zu verlangen diese Zahlungen in sechs Monaten zu leisten“.

Die Steuerberaterin Ana Santa beklagt sich über die „rechtliche Unsicherheit“ mit der diese Berufsgruppe derzeit konfrontiert ist. „Wir sind verpflichtet alle Steuermodelle und Erklärungen unserer Kunden rechtzeitig vorzulegen und die Informationen müssen wahrheitsgemäß sein, da die Gefahr von Sanktionen weiterhin besteht, wenn die Angaben von zahlen leicht falsch sein sollte. Dadurch das viele Unternehmen aber seit Mitte März nicht arbeiten können und dürfen ist die Aktualität der Zahlen teilweise nicht möglich“.

Auch Thomas und Markus aus dem Paso Chico in Playa del Inglés haben und nochmals ihre aktuellen Gedanken mitgeteilt. Hier gibt es auch ähnliche Befürchtungen. Sie sagen „Wir verstehen nicht, wieso die Politik glaubt, dass nach dem Ende des Ausnahmezustandes alles wieder bei 100 % steht und man dann auch problemlos die Preise anheben kann, um alle Kredite und Zahlungsaufschübe zu bedienen die man aktuell angeboten bekommt“. Jeder Euro der jetzt „verschoben wird und über Kredite abgesichert wird kostet und in der Zukunft deutlich mehr Geld und wir wissen nicht einmal, ob die Einnahmen überhaupt dann wieder so hoch ausfallen, dass man dies ausgleichen kann, wir denken eher nicht“.

Man kann in allen Aussagen eines klar erkennen, die Hoffnung, dass sich etwas Retten lässt scheint mit jeder Woche weiter zu schwinden. – TF

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