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AEMET prognostiziert außergewöhnlichen Sommer nach historischem Rekord-Frühling

Es soll heißer und feuchter als gewohnt werden...

Lesedauer 7 Minuten

Kanaren – Die Menschen auf den Kanarischen Inseln müssen sich in den kommenden Monaten auf ein völlig ungewöhnliches Wettermuster einstellen. Nachdem das diesjährige Frühjahr von überraschender Kälte, dichten Schneefällen und extremen Niederschlägen geprägt war, steht dem Urlaubsarchipel nun eine drastische meteorologische Kehrtwende bevor. Die staatliche Wetterbehörde Aemet (Agencia Estatal de Meteorología) hat ihre offizielle Sommerprognose veröffentlicht, und die wissenschaftlichen Berechnungen sprechen eine eindeutige Sprache: Alle führenden Wettermodelle stimmen darin überein, dass der Sommer auf den Inseln „überdurchschnittlich“ ausfallen wird. Das bedeutet für Einheimische und Urlauber konkret, dass uns sowohl heißere Temperaturen als auch spürbar mehr Feuchtigkeit als im langjährigen Klimadurchschnitt erwarten.

Die Sommerprognose: Was kommt im Juli und August auf uns zu?

Laut den aktuellen Daten der Meteorologen zeichnet sich für die Kernmonate Juli und August ein klarer Trend ab. Die Kanaren steuern auf eine Phase zu, die sich deutlich vom gewohnten, durch den Nordostpassat angenehm abgemilderten Sommerwetter unterscheidet. Víctor Quintero, der regionale Delegierte der Aemet in Santa Cruz de Tenerife, erläuterte die Situation im Rahmen einer viel beachteten Pressekonferenz. Die kurz- und mittelfristigen Prognosen für die kommenden Wochen zeigen demnach eine unmissverständliche Tendenz zu überdurchschnittlich hohen Temperaturen auf allen Inseln des Archipels.

Diese Hitzewelle-ähnliche Konstellation könnte sich laut den Auswertungen Quinteros mindestens bis Mitte Juli hinziehen. Allerdings betonte der erfahrene Experte auch die natürlichen Grenzen moderner Meteorologie: Saisonale Vorhersagen liefern stets allgemeine, großräumige Szenarien und Wahrscheinlichkeiten. Sie sind keine exakten Werkzeuge, um einzelne, kurzfristige Extremwetterereignisse wie den exakten Beginn, die Spitzenwerte oder die genaue Dauer einer spezifischen Hitzewelle wochenlang im Voraus auf den Tag genau zu bestimmen. Dennoch ist das energetische Fundament für einen sehr warmen und drückenden Sommer unumstößlich gelegt.

Die ersten realen Messdaten aus dem Juni untermauern diese langfristige Prognose bereits auf eindrucksvolle Weise. Bis zum 14. Juni lagen die Temperaturen auf dem gesamten Archipel spürbar über den Werten, die für diese Jahreszeit statistisch normal sind. Gleichzeitig fiel in der ersten Junihälfte nur sehr wenig Regen – ein Phänomen, das für diesen Zeitraum allerdings absolut typisch ist und den herannahenden Hochsommer ankündigt. Die Kombination aus hoher Einstrahlung und warmen Luftmassen gibt bereits jetzt einen Vorgeschmack auf das, was noch folgt.

Rückblick auf den Frühling: Ein historischer Kontrast voller Kälterekorde

Dass der bevorstehende Sommer nun so heiß und feucht werden soll, steht in einem extremen, fast schon paradoxen Kontrast zu den vergangenen Monaten. Der Frühling hinterließ bei den Einwohnern der Kanarischen Inseln einen völlig untypischen, fast schon winterlichen Eindruck, der das normale Leben phasenweise stark einschränkte. Zwischen den Monaten März und Mai herrschten auf den Inseln Bedingungen, die weitaus kühler waren als üblich. Hauptverantwortlich dafür war ein März, der von den Meteorologen offiziell als „außergewöhnlich kalt“ in den Annalen registriert wurde.

Die statistische Durchschnittstemperatur des gesamten Frühjahrstransmissionszeitraums lag bei gerade einmal 16,4 Grad Celsius. Damit wurde der langjährige Klimadurchschnitt um 0,3 Grad unterschritten. Besonders deutlich war dieses Kältephänomen auf den westlichen Inseln des Archipels (Teneriffa, La Palma, La Gomera, El Hierro) sowie auf Gran Canaria zu spüren. Die östlichen Inseln wie Fuerteventura und Lanzarote erlebten dagegen etwas mildere, wenn auch immer noch spürbar unterkühlte Bedingungen im Vergleich zu den Vorjahren.

Der März war der entscheidende Faktor, der die gesamte Frühlingsbilanz drastisch nach unten zog. Mit einer monatlichen Durchschnittstemperatur von nur 14,6 Grad Celsius lag die Abweichung bei extremen minus 1,2 Grad im Vergleich zum historischen Referenzwert. Ein historischer Tiefpunkt wurde an der hochgelegenen meteorologischen Station in Izaña auf Teneriffa gemessen, wo das Thermometer auf eisige -5,6 Grad Celsius sank. „Wir Kanarier haben die Kälte überall gespürt“, fasste Víctor Quintero das allgemeine Empfinden der Bevölkerung treffend zusammen, die sonst ganz andere Temperaturen gewohnt ist.

Drastischer Umschwung: Erste heftige Hitzewellen im April und Mai

Obwohl der März von eisiger Kälte dominiert wurde, deutete sich der radikale Umschwung in den darauffolgenden Monaten bereits an. Der April und der Mai dämpften den eisigen Trend ab – und zwar durch die ersten intensiven Hitzewellen des Jahres, die wie ein meteorologischer Paukenschlag wirkten. Zwischen dem 15. und 19. April sorgte eine erste massive Heißluftströmung vom afrikanischen Kontinent dafür, dass die Temperaturen abrupt anstiegen und den monatlichen Gesamtdurchschnitt trotz des kalten Starts nach oben trieben.

Ein ähnliches Wetterphänomen wiederholte sich im Mai mit noch größerer Intensität. Zwischen dem 20. und 26. Mai wurden die Kanaren erneut von einer schweren Welle heißer Luft erfasst. Während dieser thermischen Anomalien registrierten die Messstationen der Aemet absolute Spitzenwerte, die eher an den Hochsommer oder gar an afrikanische Wüstenbedingungen erinnerten. Der absolute Höchstwert wurde in der Gemeinde La Aldea de San Nicolás im Westen von Gran Canaria mit stolzen 37,9 Grad Celsius gemessen. Auch auf der Ferieninsel Lanzarote war es drückend heiß: In der Gemeinde Tías kletterte das Quecksilber auf bis zu 35,2 Grad Celsius im Schatten.

Der nasseste Frühling seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen

Das unumstrittene und absolut prägende Element des vergangenen Frühlings war jedoch zweifellos der Niederschlag. Die Regenmengen auf dem sonst eher trockenen Archipel brachen sämtliche Rekorde der modernen Wetteraufzeichnung. Im Durchschnitt fielen auf den Inseln sensationelle 180 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Dies entspricht einer unvorstellbaren Steigerung von sage und schreibe 347 Prozent über dem sonst üblichen Normalwert. Damit geht diese Saison offiziell als der nasseste Frühling in die Geschichte des gesamten Referenzzeitraums der spanischen Wetterbehörde ein.

Dieses extreme Wettermuster war primär auf zwei massive, hochenergetische Tiefdruckgebiete zurückzuführen, die den Atlantik überquerten und sich ungewöhnlich weit südlich positionierten: die Stürme Regina und Therese. Insbesondere Sturm Therese, der sich im März in unmittelbarer Nähe der Kanarischen Inseln formatierte und dort tagelang verharre, brachte heftige Wetterkapriolen. Durch den aufeinanderfolgenden Durchzug mehrerer extrem aktiver und wasserreicher Wetterfronten wurden immense Wassermassen über den Inseln ausgeschüttet.

Die statistischen Monatsauswertungen der Aemet zeigen das monumentale Ausmaß dieser Klimaanomalie im Detail:

  • März: Durchschnittlich wurden 144,6 Millimeter Regen gemessen, was unfassbaren 456 Prozent über dem Normalwert entspricht und zu lokalen Sturzfluten führte.
  • April: Ein ebenfalls sehr nasser Monat mit 165 Prozent mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel üblich.
  • Mai: Ein fulminanter Abschluss des Frühlings mit einem massiven Anstieg von 235 Prozent gegenüber dem klimatischen Durchschnitt.

Besonders intensiv vom Regen betroffen waren die höhergelegenen Bergregionen und spezifische, exponierte Gemeinden. Die absolut höchsten Niederschlagsmengen registrierten die Stationen am Roque de los Muchachos auf La Palma, in San Mateo und San Bartolomé de Tirajana im Landesinneren von Gran Canaria sowie in der Gemeinde El Paso. Darüber hinaus verzeichneten weite Teile im Nordosten Teneriffas (Anaga-Gebirge), der gesamte Norden Gran Canarias sowie die sonst extrem trockenen Wüsteninseln Lanzarote und Fuerteventura im gesamten Dreimonatszeitraum kumulierte Regenmengen von weit über 100 Millimetern – ein Segen für die Natur, aber eine Herausforderung für die Infrastruktur.

Ein historisches hydrologisches Jahr und extreme Begleitphänomene

Die immense Relevanz dieser außergewöhnlichen Niederschlagszahlen wird erst beim Blick auf das übergeordnete, großflächige Zeitfenster deutlich. Das aktuell laufende hydrologische Jahr hat sich durch die historischen Frühlingsrekorde bereits jetzt auf Platz sieben der absolut nassesten Jahre seit dem offiziellen Beginn der systematischen und lückenlosen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1961 katapultiert. Dies sorgt für eine spürbare und bitter nötige Entlastung der unterirdischen Wasserspeicher und Staudämme der Inseln, die in den von Dürre geprägten Jahren zuvor oft unter akuter Trockenheit und Notstand litten.

Neben dem außergewöhnlichen Dauerregen war das Frühjahr von einer ganzen Reihe weiterer, spektakulärer Naturphänomene geprägt, die den Atem stocken ließen. In den höchsten Lagen des Archipels, wie am weltberühmten Izaña-Observatorium auf Teneriffa (nahe dem Teide) und am Roque de los Muchachos auf La Palma, kam es zu dichten, zentimetertiefen Schneefällen, die zu Straßensperrungen führten. Während des absoluten Höhepunkts von Sturm Therese peitschten zudem Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von weit über 100 Kilometern pro Stunde über den Archipel und verursachten Schäden an Gebäuden und in der Landwirtschaft.

Begleitet wurde diese dynamische und hochenergetische Wetterlage von einer enormen elektrischen Aktivität in der Atmosphäre: Die Meteorologen registrierten während der Unwetterlagen mehr als 4.000 Blitzeinschläge in unmittelbarer Nähe und direkt über den Inseln. Abgerundet wurde das turbulente Frühjahrsprogramm durch mehrere intensive Episoden von Calima. Dieser feine Wüstensand aus der nahegelegenen Sahara fiel exakt mit den Tagen der extrem hohen Temperaturen im April und Mai zusammen, trübte die Sicht massiv ein und tauchte den Himmel in ein diffuses, apokalyptisch anmutendes Orange.

Fazit und Ausblick: Ein Sommer der Extreme droht auf dem Archipel

Vor diesem reichhaltigen und absolut außergewöhnlichen meteorologischen Hintergrund startet der Sommer auf den Kanarischen Inseln mit einer glasklaren und von allen führenden globalen Modellen gestützten Prognose: Es wird heißer, drückender, schwüler und feuchter als im langjährigen Mittel. Die seltene Kombination aus hoher, afrikanischer Wärme und überdurchschnittlicher Luftfeuchtigkeit über dem Atlantik könnte die gefühlte Temperatur (den sogenannten Hitzeindex) massiv steigen lassen, was den Körper deutlich mehr belastet als trockene Hitze.

Es bleibt in den kommenden Wochen und Monaten mit großer Spannung abzuwarten, ob sich dieser energetisch extrem aufgeladene Trend in Form von weiteren lang anhaltenden Hitzewellen, einer Zunahme von tropischen Nächten (Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sinkt) oder gar heftigen, für den Sommer untypischen Gewittern auf dem Archipel entladen wird. Anwohner und Urlauber sollten die offiziellen Wetterwarnungen der Aemet in diesem Sommer besonders aufmerksam verfolgen. – MF

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