Kanaren – Die seismovulkanische Aktivität unter der Kanareninsel Teneriffa hat erneut zugenommen. Das Nationale Geographische Institut Spaniens (IGN) registrierte seit Mittwochnachmittag rund 1.600 schwache Erdbeben unter dem Teide-Vulkan. Obwohl die Frequenz der Messungen zeitweise anstieg, geben die zuständigen Wissenschaftler Entwarnung: Eine erhöhte Ausbruchsgefahr besteht kurz- und mittelfristig nicht.
Rund 1.600 Erdbeben im Westen von Las Cañadas del Teide
Die jüngste Serie seismischer Aktivität begann am Mittwochnachmittag, dem 22. Juli, und setzte sich über den gesamten Donnerstag fort. Am Freitagabend verstärkten sich die Signale erneut. Nach Angaben der automatischen Datenauswertung des IGN wurden insgesamt rund 1.600 Erdbeben registriert, davon allein 600 am Freitag.
Das Epizentrum aller gemessenen Ereignisse befindet sich im westlichen Teil von Las Cañadas del Teide in einer Tiefe von etwa 10 bis 15 Kilometern. In diesem Bereich wurde eine vergleichbare Aktivität in den vergangenen Monaten bereits mehrfach beobachtet, unter anderem in den Monaten Februar, März und Juni.
Neben den automatischen Erfassungen führen die Vulkanologen eine genaue manuelle Auswertung durch. Dabei wurden am Donnerstag 191 Erdbeben präzise lokalisiert, während am Freitag bisher 122 Ereignisse manuell bestätigt werden konnten. Die höchste gemessene Magnitude lag bei einem Wert von 1,6 mbarg. Die Stöße sind damit sehr schwach und für die Bevölkerung an der Oberfläche nicht spürbar.
Zunahme niederfrequenter Signale und Hybridereignisse
Seit Donnerstag um 17:00 Uhr registrierten die Messstationen nahe dem aktiven Gebiet eine Zunahme niederfrequenter Signale sowie eine höhere Anzahl an Impulsen. Diese entstehen primär durch sogenannte Hybridereignisse.
Im Zuge dieser Intensivierung wurden drei spezifische Signalformen dokumentiert:
- Vulkanisch-tektonische Ereignisse (VT): Entstehen durch Bruchprozesse im Gestein unter mechanischer Spannung.
- Niederfrequente Ereignisse (LP – Low Frequency): Stehen im Zusammenhang mit der Zirkulation von Fluiden wie Gasen oder Flüssigkeiten in der Tiefe.
- Hybridereignisse: Kombinieren Eigenschaften von Gesteinsbrüchen und Fluidbewegungen.
Das IGN betont, dass das Auftreten von LP- und Hybridereignissen zwar mit einer Fluidzirkulation in der Tiefe vereinbar ist, dies jedoch für sich genommen keine Beschleunigung des vulkanischen Prozesses darstellt.
Verlauf der Messungen und aktuelle Abschwächung
Der zeitliche Verlauf des Erdbebenschwarms zeigt schwankende Phasen. Eine erste Serie sich wiederholender Ereignisse endete am Donnerstag gegen 14:00 Uhr. Ab 22:30 Uhr am selben Abend begann eine weitere Serie schwacher Beben, die sich über den gesamten frühen Morgen erstreckte und zwischen 02:00 und 05:00 Uhr ihren Höhepunkt erreichte.
Am darauffolgenden Morgen schwächte sich die Intensität der Signale wieder ab. Die zeitlichen Abstände zwischen den Ereignissen vergrößerten sich, sodass die Ausschläge zuletzt nur noch an den nächstgelegenen Messstationen wahrnehmbar waren.
Keine erhöhte Ausbruchsgefahr für die Insel Teneriffa
Die Experten des Nationalen Geographischen Instituts stellen klar, dass diese Art der Aktivität derjenigen aus den Vormonaten ähnelt und die Ausbruchsgefahr auf Teneriffa kurz- und mittelfristig nicht erhöht. Dennoch wird die Entwicklung gemäß den Standardprotokollen kontinuierlich überwacht und regelmäßig an die zuständigen Katastrophenschutzbehörden gemeldet.
Umfassendes Messnetzwerk überwacht Teneriffa rund um die Uhr
Als die für die Vulkanüberwachung in Spanien zuständige behördliche Einrichtung betreibt das IGN auf Teneriffa ein hochmodernes Überwachungsnetzwerk mit mehr als 100 Stationen, Geräten und festen Probenahmestellen. Damit werden die wichtigsten Parameter rund um die Uhr in Echtzeit analysiert:
- Seismizität: Überwachung von Erschütterungen, Häufigkeit und Stärke der Beben.
- Deformation: Messung von geringfügigen Bodenbewegungen und Geländeveränderungen.
- Geochemie: Analyse von Gasemissionen und chemischen Parametern im Vulkansystem.
Das IGN weist darauf hin, dass die vorliegenden Daten zur Anzahl und Stärke der Erschütterungen aufgrund der geringen Signalamplitude vorläufig sind. Nach einer detaillierteren manuellen Analyse kann die im offiziellen IGN-Katalog verzeichnete Gesamtzahl der Ereignisse angepasst werden. Sämtliche Zeitangaben erfolgen im UTC-Format, um eine standardisierte Überwachung von verschiedenen Standorten aus zu gewährleisten. – TF
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