Kanarische Inseln – Der Wandel auf den Straßen der Kanarischen Inseln nimmt spürbar an Fahrt auf. Nach dem Abschluss zahlreicher Infrastrukturprojekte verzeichnet der Markt für Elektrofahrzeuge auf dem Archipel im Jahr 2026 ein kontinuierliches und starkes Wachstum. Wie aus den aktuellen Immatrikulationsdaten der Wirtschaftsverbände FREDICA (Federación Regional Canaria de Empresarios Importadores y Concesionarios de Automóviles) und Aconauto Canarias hervorgeht, stieg die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen im August 2026 sprunghaft an.
Insbesondere der Hauptanbieter im Segment der reinen Elektroautos (BYD) konnte seine Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr 2025 um 35 Prozent steigern. Diese Entwicklung unterstreicht ein grundlegend verändertes Kaufverhalten der Inselbewohner, die zunehmend auf nachhaltige und kosteneffiziente Mobilitätslösungen setzen.
Marktzahlen im August: Deutliches Plus für reine Elektrofahrzeuge
Die detaillierten Auswertungen der Automobilverbände zeigen für den Monat August 2026 eine bemerkenswerte Bilanz. Laut den Erhebungen von Aconauto Canarias wurden im August insgesamt 460 reine Elektrofahrzeuge (BEV) auf den Kanarischen Inseln neu zugelassen. Bei einem Gesamtmarkt von 3.242 immatrikulierten Neufahrzeugen entspricht dies einem Marktanteil von 14,19 Prozent.
In einem Teilbereich der Neuzulassungen (klassiche PKW) meldete FREDICA für August zudem einen Höchstwert von 209 verkauften Elektroautos, was in diesem spezifischen Vergleich einem Zuwachs von 81,64 Prozent entspricht. Auch in der bisherigen Jahresbilanz spiegelt sich der Trend wider: In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 wurden auf den Inseln insgesamt 3.138 reine Elektroautos registriert. Damit erreichten Elektrofahrzeuge bei insgesamt 32.080 verkauften Neuwagen einen kumulierten Marktanteil von 9,71 Prozent.
Chinesische Automarken und Treibstoffpreise als Haupttreiber
Für diesen deutlichen Wandel im Kaufverhalten der kanarischen Kundschaft gibt es mehrere konkrete Ursachen. Nach Aussage von Rafael Pombriego, dem Vizepräsidenten des Branchenverbandes FREDICA, spielt der Markteintritt neuer internationaler Wettbewerber eine Schlüsselrolle. Insbesondere chinesische Automobilhersteller wie BYD, MG, Omoda und Jaecoo drängen mit wettbewerbsfähigen Modellen auf den kanarischen Markt.
Diese Marken zeichnen sich durch eine flexiblere Preisgestaltung aus, die besser an die finanziellen Möglichkeiten und das Budget der Inselbewohner angepasst ist. Dadurch wird der Einstieg in die Elektromobilität für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich.
Neben den attraktiveren Anschaffungspreisen nennt FREDICA zwei weitere wesentliche Gründe für den Boom:
- Steigende Kraftstoffpreise: Die anhaltend hohen Preise für fossile Brennstoffe wie Benzin und Diesel veranlassen viele Autofahrer dazu, nach kostengünstigeren Alternativen für den Alltag zu suchen.
- Höhere Reichweiten: Moderne Elektrofahrzeuge bieten mittlerweile auch abseits des reinen Stadtverkehrs Reichweiten von deutlich über 300 Kilometern pro Batterieladung. Dies nimmt potenziellen Käufern die Sorge vor mangelnder Flexibilität auf den Inselstraßen.
Boom bei Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Modellen
Die Neigung zur Elektrifizierung zeigt sich nicht nur bei reinen Stromern, sondern auch bei Fahrzeugen mit kombiniertem Antrieb. Klassische Hybridfahrzeuge (HEV), die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor kombinieren, verzeichneten im August 2026 auf den Kanaren insgesamt 804 Neuzulassungen. Dies entspricht einem Zuwachs von 37,91 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im bisherigen Jahresverlauf wurden bereits 6.777 Hybridfahrzeuge verkauft, was einem Durchschnittsplus von 38 Prozent entspricht.
Noch dynamischer entwickelte sich das Segment der Plug-in-Hybride (PHEV). In den vergangenen sechs Monaten beschleunigte sich die Nachfrage hier besonders stark. Im August 2026 wurden 437 Einheiten zugelassen, was ein Plus von 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Im gesamten bisherigen Jahresverlauf 2026 summierten sich die Neuzulassungen bei den Steckdosen-Hybriden auf 3.066 Einheiten – ein Zuwachs von 12,43 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2025.
Gesamtmarkt wächst leicht – Autovermieter drosseln Käufe
Der Gesamtfahrzeugmarkt auf den Kanarischen Inseln entwickelte sich im August leicht positiv. Insgesamt wurden über alle Fahrzeugklassen hinweg 5.776 Fahrzeuge immatrikuliert, verglichen mit 5.639 Einheiten im August 2025 (ein Plus von 2,43 Prozent). Das Kernsegment der Personenwagen (PKW) und 4×4-Geländewagen musste dagegen einen leichten Rückgang hinnehmen: Hier sanken die Zulassungen um 1,68 Prozent von 3.461 Einheiten im Vorjahr auf 3.403 Fahrzeuge im August 2026.
Bei der Betrachtung der einzelnen Vertriebskanäle zeigen sich deutliche Unterschiede:
- Firmenkunden: Der Geschäftskundenkanal verzeichnete ein starkes Plus von 12,90 Prozent auf insgesamt 709 Fahrzeuge.
- Privatkunden: Die Verkäufe an private Haushalte stiegen um 5,44 Prozent auf 2.150 Registrierungen.
- Autovermietungen (Rent-a-Car): Der Vermietkanal ging um signifikante 31,49 Prozent zurück (544 Zulassungen im Vergleich zu 794 im August 2025).
Experten werten diesen Rückgang bei den Autovermietern als Anzeichen für eine fortschreitende Normalisierung der Flottenerneuerungen, nachdem die Vermietunternehmen in den vorangegangenen Jahren extrem hohe Aufstockungen vorgenommen hatten.
Staatliche Kaufprämien unterstützen den Umstieg
Zusätzlichen Aufwind erhält die Elektromobilität auf den Inseln durch staatliche Förderprogramme. Das spanische Förderprogramm Plan Auto+ 2026 sieht Kaufprämien von bis zu 4.500 Euro für reine Elektro-Pkw vor, während fahrbereite Gewerbefahrzeuge mit bis zu 5.000 Euro gefördert werden. Diese Hilfen gelten rückwirkend seit dem 1. Januar 2026. Zusammen mit den Mitteln aus dem europäischen Förderprogramm Plan MOVES III erleichtert die Politik den Kanaren den Abschied von fossilen Treibstoffen. – TF
