Kanaren – Ein geplatztes Rohr, ein defekter Warmwasserbereiter oder eine dringend notwendige Sanierung – was früher in wenigen Tagen erledigt war, entwickelt sich auf den Kanarischen Inseln zunehmend zu einer massiven Geduldsprobe. Der akute Arbeitskräftemangel, der in vielen Wirtschaftsbranchen der Inseln seit Jahren spürbar ist, hat das Baugewerbe und das klassische Handwerk mit voller Wucht getroffen. Für private Bauherren und Wohnungseigentümer bedeutet dies vor allem eines: lange Wartezeiten, steigende Kosten und pure Verzweiflung bei der Suche nach verfügbaren Fachleuten.
Fünf bis sechs Monate Vorlaufzeit für Reparaturen
Die Schwierigkeit, Arbeitskräfte für große Bauvorhaben oder öffentliche Projekte zu rekrutieren, ist nicht neu. In den letzten Jahren hat sich diese Krise jedoch bis in die privaten Haushalte verlagert. Es ist heute eine enorme Herausforderung, Unternehmen für Bau-, Reparatur- oder Sanierungsarbeiten in Wohngebieten zu gewinnen. Traditionelle Handwerksberufe wie Maurer, Klempner und Elektriker verschwinden allmählich aus dem Arbeitsmarkt. Die Gründe hierfür liegen vor allem in der fortschreitenden Digitalisierung und dem gesellschaftlichen Trend zu Hochschulabschlüssen, der zulasten der beruflichen Ausbildung geht.
Laut dem Verband der Immobilienverwalter (CAF) von Santa Cruz de Tenerife sind die Betriebe, die handwerkliche Dienstleistungen anbieten, mittlerweile ganzjährig ausgebucht. Selbst Notfallaufträge werden nur noch selten angenommen. „Sie sind voll ausgelastet, unterbesetzt und können nicht so schnell reagieren, wie sie es gerne würden“, zitiert der CAF den Geschäftsführer eines Mitgliedsunternehmens. Wer heutzutage Arbeiten an seiner Immobilie durchführen lassen möchte, muss einen Termin fünf bis sechs Monate im Voraus anfragen. Eine Botschaft, die Hausverwalter zunehmend an frustrierte Eigentümer übermitteln müssen. Wer Renovierungen plane, müsse dies extrem frühzeitig tun, da die logistische Umsetzung hochkomplex geworden sei.
Wenn ein Wasserschaden das ganze Gebäude bedroht
Besonders dramatisch wird die Situation, wenn schnelles Handeln gefragt ist. Der CAF berichtet von einem konkreten Fall, bei dem sich die Bearbeitung eines Schadensfalls durch einen defekten Warmwasserbereiter um drei volle Monate verzögerte. Die Folgen waren verheerend: Ein Badezimmer wurde überflutet und es entstanden erhebliche sekundäre Wasserschäden in zwei darunterliegenden Wohnungen. Die betroffenen Familien warten noch immer auf die Fertigstellung der dringend notwendigen Schreiner- und Malerarbeiten.
Auch die Versicherungsgesellschaften bieten in dieser Lage kaum noch Entlastung. Meldet ein Eigentümer einen Schadensfall, verweisen die Versicherer an kleine Partner-Reparaturfirmen – doch auch hier heißt es für die Betroffenen meist nur: warten. Dies führt zu einer enormen Zusatzbelastung in den Büros der Immobilienverwalter, die unzählige Anrufe tätigen müssen, um Reparaturprozesse überhaupt noch in Gang zu bringen. Der Berufsverband spricht von einer spürbaren Erschöpfung der Mitarbeiter, die täglich Akten anlegen, diese aber aufgrund fehlender Handwerker monatelang nicht abschließen können.
Strukturwandel: Wo sind die Handwerker hin?
Die Ursachen für diesen Engpass sind tiefgreifend. Ergänzende Daten der spanischen Baukonföderation (Confederación Nacional de la Construcción – CNC) zeigen, dass die Branche stark überaltert ist. Landesweit ist nur noch knapp einer von zehn Bauarbeitern unter 30 Jahre alt. Es fehlt massiv an Nachwuchs. Junge Menschen meiden die körperlich anspruchsvolle Arbeit, während erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen, ohne dass ihre Stellen neu besetzt werden können. Krankheitsausfälle im bestehenden Personal können zudem nicht kompensiert werden, was dazu führt, dass bereits zugesagte Termine immer wieder platzen. Laufende Projekte werden wochenlang unterbrochen, weil Firmen ihre wenigen Mitarbeiter spontan auf andere, noch dringendere Baustellen abziehen müssen.
Preisexplosion bei Material und Arbeitsleistung
Die Gesetze des Marktes greifen auch hier unerbittlich: Die hohe Nachfrage bei einem gleichzeitig stark dezimierten Angebot führt unweigerlich zu einem massiven Druck auf die Preise. Klassische Handwerksleistungen werden von Jahr zu Jahr teurer. Neben dem Personalmangel verweisen Immobilienverwalter auf die globale wirtschaftliche Unsicherheit. Steigende Produktions- und Logistikkosten treiben die Preise für Baumaterialien in die Höhe, was jede noch so kleine Reparatur deutlich verteuert.
Die Hausverwaltungen betonen, dass sie durch ihre lokale Vernetzung eigentlich die richtigen Firmen für die Instandhaltung kennen. Doch die aktuelle Marktlage macht dieses Netzwerk zunehmend machtlos. Luis García, Präsident des CAF Teneriffa, fasst die dramatische Situation treffend zusammen: „Es fällt uns mittlerweile schwer, Unternehmen zu finden, die nicht mit Arbeit überlastet sind, die das von den Eigentümergemeinschaften benötigte Arbeitsvolumen bewältigen können und die nicht permanent mit steigenden Kosten zu kämpfen haben.“
Für Immobilienbesitzer auf den Kanarischen Inseln bedeutet dies auf absehbare Zeit: Mehr Budget einplanen, extrem viel Geduld mitbringen und Instandhaltungsmaßnahmen so früh wie möglich anstoßen, bevor sie zu einem echten Notfall werden. – TF
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