GRAN CANARIA – Es ist ein sonniger Vormittag am Flughafen Gando. Hunderte Touristen strömen aus der Ankunftshalle, die Koffer fest im Griff, das Ziel vor Augen: die Sonne des Südens. Doch während die meisten Reisenden pflichtbewusst die offiziellen Schlangen an den Taxiständen nutzen oder in ihre vorab gebuchten Reisebusse steigen, spielt sich im Verborgenen oft ein illegales Katz-und-Maus-Spiel ab. Ein Spiel, das für einen Fahrer vor wenigen Tagen ein jähes und kostspieliges Ende fand.
Beamte der spezialisierten Landtransportgruppe der Polizei der Kanarischen Inseln (Grupo de Transportes por Tierra) konnten einen illegalen Transfer stoppen, der sinnbildlich für die Schattenwirtschaft im touristischen Sektor steht. Was als vermeintlich günstiger Transfer begann, endete in einer umfassenden polizeilichen Anzeige und Ermittlungen durch mehrere Behörden.
Der Zugriff: Von Telde bis San Bartolomé de Tirajana
Die Operation der Polizei war kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis gezielter Beobachtungen. Der Verdächtige hatte am Flughafen von Gran Canaria, der geografisch zur Gemeinde Telde gehört, mehrere Passagiere aufgenommen. Sein Ziel: Ein Hotelkomplex in Playa del Inglés, dem pulsierenden Herzen der touristischen Zone von San Bartolomé de Tirajana.
Die Beamten folgten dem Fahrzeug über die Autobahn GC-1, die Hauptschlagader der Insel, und schlugen im richtigen Moment zu. Nach der Absetzung der Fahrgäste wurde das Fahrzeug kontrolliert. Die Befragung der Passagiere und des Fahrers bestätigte schnell den Verdacht: Es handelte sich um eine gewerbliche Personenbeförderung, für die keinerlei Genehmigung vorlag. Der Fahrer agierte als „Piratentaxi“, ein Phänomen, das auf den Inseln seit Jahren von den offiziellen Verbänden bekämpft wird.
Ein Sündenregister: Schwarzarbeit und illegaler Aufenthalt
Bei der Überprüfung der Personalien und der Dokumente des Fahrers stießen die Beamten auf ein Geflecht aus Verstößen, das weit über das bloße Fehlen einer Transportlizenz hinausging.
- Fehlende Transportgenehmigung: Der Fahrer konnte keine Lizenz vorweisen, die ihn zur gewerblichen Personenbeförderung berechtigt. Damit verstieß er gegen die strengen Auflagen für den öffentlichen Nahverkehr.
- Verstoß gegen das Sozialversicherungsrecht: Eine Abfrage ergab, dass der Mann nicht bei der Sozialversicherung angemeldet war. Er arbeitete komplett „schwarz“, zahlte keine Beiträge und entzog sich somit den Pflichten eines ordentlichen Arbeitnehmers oder Selbstständigen.
- Irregulärer Aufenthaltsstatus: Besonders schwer wiegt die Tatsache, dass sich der Betroffene illegal im spanischen Hoheitsgebiet aufhielt. Er verfügte über keine gültige Aufenthaltserlaubnis oder Arbeitsgenehmigung.
Aufgrund dieser Kumulation von Verstößen wurde nicht nur die Transportbehörde eingeschaltet. Der Fall wurde umgehend an die Arbeitsinspektion (Inspección de Trabajo) sowie an die Ausländerbehörde (Extranjería) weitergeleitet. Dem Mann droht nun nicht nur eine massive Geldstrafe, sondern auch die Abschiebung.
Die rechtliche Keule: Das Gesetz 13/2007
Die Polizei betonte in ihrem Bericht, dass dem Fahrer eine Sanktion droht, die im Gesetz als „sehr schwerwiegend“ (muy grave) eingestuft wird. Grundlage hierfür ist das Gesetz 13/2007 vom 17. Mai über die Regelung des Straßenverkehrs auf den Kanarischen Inseln.
Dieses Gesetz wurde geschaffen, um den Markt zu regulieren und die hohen Standards des kanarischen Tourismus zu schützen. Verstöße in dieser Kategorie ziehen horrende Bußgelder nach sich, die oft im vier- bis fünfstelligen Bereich liegen. Ziel ist eine abschreckende Wirkung, da illegale Transfers nicht nur den Wettbewerb verzerren, sondern auch die Sicherheit der Fahrgäste gefährden.
Die Gefahr für den Touristen: Das Risiko fährt mit
Vielen Urlaubern ist nicht bewusst, auf welches Wagnis sie sich einlassen, wenn sie in ein inoffizielles Fahrzeug steigen. „Die Ersparnis von zehn oder zwanzig Euro steht in keinem Verhältnis zum Risiko“, warnt ein Sprecher der örtlichen Taxivereinigung.
Im Falle eines Unfalls greift bei illegalen Taxis keine Insassenversicherung. Während offizielle Taxis (erkennbar an der weißen Farbe, dem „SP“-Schild und dem blauen Nummernschild) über spezielle Versicherungspolicen verfügen, sind die Passagiere bei einem Piratentaxi rechtlich ungeschützt. Hinzu kommt, dass die Fahrer keinerlei Hintergrundcheck unterzogen wurden. Bei offiziellen Taxifahrern wird die Straffreiheit regelmäßig geprüft, und sie müssen medizinische sowie fachliche Eignungstests bestehen.
Unfairer Wettbewerb und wirtschaftlicher Schaden
Für die legalen Taxifahrer der Insel, die teure Lizenzen erwerben, ihre Fahrzeuge warten und hohe Steuern zahlen, sind illegale Anbieter ein Schlag ins Gesicht. Besonders in San Bartolomé de Tirajana und Telde ist die Konkurrenz groß. Die „Piraten“ picken sich die lukrativen Langstrecken vom Flughafen zum Hotel heraus, während sie die weniger profitablen Kurzstrecken innerhalb der Orte den legalen Fahrern überlassen.
„Wir zahlen für unsere Standplätze, für die Funkzentrale, für die Sozialversicherung unserer Angestellten und für die ständigen TÜV-Prüfungen unserer Wagen“, erklärt ein betroffener Fahrer in Playa del Inglés. „Wenn dann jemand ohne Papiere und ohne Versicherung mit einem Privatwagen das Geschäft abgreift, ist das Existenzgefährdung.“
Die Rolle der Polizei der Kanarischen Inseln
Policía Canaria nun verstärkt Präsenz zeigt, wird in der Branche begrüßt. Die spezialisierte Landtransportgruppe hat ihre Kontrollen an strategischen Punkten wie dem Flughafen, den Häfen und den großen Hotelzonen intensiviert. Dabei geht es nicht nur um die Verfolgung von Straftaten, sondern auch um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.
Der aktuelle Erfolg ist Teil einer größeren Strategie der Regionalregierung, die Qualität des Tourismusprodukts „Kanaren“ zu sichern. Ein wichtiger Baustein ist dabei ein zuverlässiger und legaler Transportsektor.
Fazit und Ausblick
Der gestoppte illegale Transfer ist ein Erfolg für die Rechtsstaatlichkeit auf Gran Canaria, verdeutlicht aber auch die Notwendigkeit ständiger Wachsamkeit. Die Kombination aus illegalem Aufenthalt, Schwarzarbeit und unbefugter Personenbeförderung zeigt die kriminelle Energie, die hinter manchen „Billig-Angeboten“ steckt.
Die Behörden appellieren an alle Besucher der Insel: Nutzen Sie ausschließlich offizielle Transportmittel. Achten Sie auf die blauen Kennzeichen und die offiziellen Haltestellen. Sicherheit und Versicherungsschutz sollten im Urlaub niemals zugunsten einer kleinen Ersparnis geopfert werden.
Für den gestoppten Fahrer wird dieser Tag teuer. Neben den drakonischen Geldstrafen nach dem Transportgesetz wird er sich nun vor der Ausländerbehörde verantworten müssen – ein Transfer, der für ihn vermutlich nicht im Hotel, sondern in einer Abschiebeeinrichtung enden könnte.
So erkennen Sie ein legales Taxi auf Gran Canaria:
- Das Kennzeichen: Seit einigen Jahren müssen offizielle Taxis in Spanien hinten ein blaues Nummernschild mit weißer Schrift führen.
- Das SP-Schild: Am Fahrzeug muss ein Schild mit der Aufschrift „SP“ (Servicio Público) angebracht sein.
- Die Tür-Markierung: Jedes legale Taxi trägt das Wappen der jeweiligen Gemeinde (z.B. Telde oder San Bartolomé de Tirajana) sowie eine deutlich sichtbare Lizenznummer an den Vordertüren.
- Der Taxameter: Ein offizielles Taxi verfügt immer über einen geeichten Taxameter und eine sichtbare Tariftabelle.
- Transferdienste: Es gibt natürlich auch legal agierende Transferdienste, die kein Taxameter und keine Markierung auf der Tür haben. Allerdings trotzdem an den anderen Kennzeichnungen zu erkennen sind.
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