Gran Canaria – Die Regierung der Kanarischen Inseln hat auf eine drastische Wetterentwicklung reagiert: Ab Montag, den 3. August, um 11:00 Uhr gilt für Gran Canaria die höchste Warnstufe. Eine extreme Hitzewelle in Kombination mit massiver Waldbrandgefahr versetzt die Behörden in höchste Alarmbereitschaft. Auch für den Rest des Archipels gibt es keine Entwarnung. Während auf allen Inseln eine Hitzewarnung in Kraft tritt, bleibt die Waldbrandgefahr auch auf den westlichen Nachbarinseln auf einem extrem bedenklichen Niveau.
Temperaturen über 40 Grad: Gran Canaria im Zentrum der Hitze
Besonders hart trifft die mehrtägige Hitzeperiode die Insel Gran Canaria. Meteorologen erwarten, dass sich vor allem das bekannte Tejeda-Becken sowie die mittleren Höhenlagen im Südosten und Westen der Insel in einen regelrechten Glutofen verwandeln. Örtlich können die Temperaturen die gefährliche Marke von 40 Grad Celsius überschreiten.
Das waldreiche Tejeda-Becken ist aus meteorologischer Sicht ein klassischer Brennpunkt für unkontrollierbare Brände. Bereits im August 2019 wütete hier ein schwerer Waldbrand, der Tausende Menschen zur Evakuierung zwang und große Naturflächen vernichtete (Wir berichteten). Solche verheerenden historischen Ereignisse verdeutlichen, warum die Inselregierung bei der aktuellen Vorhersage sofort mit der höchsten Alarmstufe reagiert.
Die aktuellen Entscheidungen stützen sich auf präzise Daten der staatlichen spanischen Wetterbehörde (AEMET). Für den Notfall greifen zwei zentrale Sicherheitsmechanismen der Regierung: der Notfallplan für extreme Wetterereignisse (PEFMA) sowie der Sonderplan für Waldbrände (INFOCA). Letzterer ist speziell darauf ausgelegt, alle zivilen Ressourcen für den Brandschutz zu bündeln. Das Risiko wird laut Modellen in den kommenden Tagen, insbesondere ab Montag, kontinuierlich weiter ansteigen.
Inversionswetterlage und Wüstenstaub: Eine hochgefährliche Kombination
Auf der Nachbarinsel Teneriffa wird die drückende Hitze ebenfalls deutlich zu spüren sein. Hier sind vor allem die mittleren Höhenlagen, die südöstlich ausgerichteten Hänge des Ballungsraums und lokal auch die Küstenregionen betroffen.
Begleitet wird diese Hitzewelle von einem Wetterphänomen, das die Brandgefahr auf den gesamten Kanaren extrem verschärft: einer tief liegenden Temperaturinversion. Diese warme und extrem trockene Luftschicht liegt auf Gran Canaria zunächst in etwa 400 Metern Höhe, auf den westlichen Inseln zwischen 500 und 700 Metern. Sie wird voraussichtlich im Laufe der Tage allmählich weiter absinken. Oberhalb dieser Inversionsschicht fällt die relative Luftfeuchtigkeit auf kritische Werte von unter 30 Prozent, was die Vegetation regelrecht austrocknet.
Darüber hinaus bringt ein Zustrom afrikanischer Luftmassen leichten Wüstenstaub mit sich. Auch wenn die Sandkonzentration am Boden anfangs gering ausfällt, saugt diese trockene Luftströmung aus der Sahara die letzte restliche Feuchtigkeit aus den Pflanzen und verwandelt sie in hochentzündliches Material.
Orkanartige Böen treiben das Risiko auf die Spitze
Hitze und Trockenheit sind jedoch nicht die einzigen meteorologischen Gefahren. Seit Sonntagnachmittag, 15:00 Uhr, gilt für alle Kanarischen Inseln eine offizielle Windwarnung. Die Vorhersagen rechnen mit anhaltenden Passatwinden, die Böen von bis zu 80 Kilometern pro Stunde erreichen können.
Davon sind insbesondere die Südost- und Westhänge von der Küste bis in die mittleren Höhenlagen sowie die natürlichen Windkanäle zwischen den einzelnen Inseln betroffen. Dieser extrem starke Wind ist der entscheidende Faktor, der die rasante Ausbreitung eines möglichen Waldbrandes unkontrollierbar machen könnte. Die zuständigen Leitstellen überwachen die Parameter daher rund um die Uhr.
Lebenswichtige Verhaltensregeln: So schützen Sie sich und die Natur
Angesichts dieser brisanten Wetterlage hat die Generaldirektion für Katastrophenschutz dringende Empfehlungen herausgegeben. Die strikte Einhaltung dieser Regeln ist für Einheimische wie Touristen gleichermaßen essenziell, um Leben zu schützen und Katastrophen zu verhindern.
Schutz der eigenen Gesundheit:
- Körperliche Anstrengung vermeiden: Verlegen Sie sportliche oder schwere körperliche Aktivitäten keinesfalls in die heißen Tageszeiten.
- Ausreichend trinken: Nehmen Sie viel Flüssigkeit zu sich und verzichten Sie komplett auf Alkohol. Leichte und regelmäßige Mahlzeiten entlasten den Kreislauf.
- Schatten und Kühlung suchen: Halten Sie sich bevorzugt an kühlen, klimatisierten Orten auf und schützen Sie sich im Freien konsequent vor direkter Sonneneinstrahlung.
- Vorsicht bei Risikogruppen: Ältere Menschen und Kinder sind bei extremen Hitzewellen besonders gefährdet. Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten ärztlichen Rat einholen, da bestimmte Arzneimittel die Wärmeregulation des Körpers stören können.
Prävention von Waldbränden:
- Absolutes Feuerverbot: Das Wegwerfen von Zigarettenkippen, Streichhölzern oder Müll in Naturgebieten ist strengstens verboten.
- Keine brennbaren Gegenstände: Der Einsatz von Feuerwerkskörpern oder anderen entzündlichen Materialien ist in sämtlichen Risikogebieten – auch auf landwirtschaftlichen Freiflächen oder in waldnahen Siedlungen – absolut untersagt.
- Zugangsbeschränkungen beachten: Halten Sie sich an die von den Räten und Gemeinden festgelegten Betretungsverbote für Forstgebiete. Arbeiten im Freien, die Funkenflug verursachen könnten, sind komplett einzustellen.
- Im Notfall sofort handeln: Wenn Sie Rauch oder Feuer entdecken, zögern Sie nicht und wählen Sie umgehend den Notruf 112. Eine schnelle Reaktion in den ersten Minuten ist entscheidend, um ein Inferno zu verhindern.
Schutz vor Sturmschäden:
Um Unfälle durch den starken Wind zu vermeiden, müssen Blumentöpfe und andere lose Gegenstände von Balkonen, Dächern oder Fensterbänken entfernt werden, damit sie nicht auf Gehwege oder Straßen stürzen. Meiden Sie zudem Baustellen, marode Gebäude, Gerüste, Kräne oder große Werbetafeln.
Wenn Sie zu Fuß oder mit dem Fahrzeug unterwegs sind, seien Sie besonders wachsam gegenüber Hindernissen auf der Straße, wie abgebrochenen Ästen oder umherfliegendem Straßenmobiliar. Vermeiden Sie den Aufenthalt in Gärten oder Parks mit altem Baumbestand.
Die Regierung betont, dass der Geltungsbereich der höchsten INFOCA-Warnstufe je nach Wetterentwicklung kurzfristig angepasst werden kann. Die Bevölkerung wird dringend gebeten, sich regelmäßig über die offiziellen Nachrichtenkanäle zu informieren. – TF
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