Gran Canaria – Wer auf dem Flughafen von Gran Canaria landet, blickt beim Anflug oft auf weite Landschaften. Doch direkt neben den modernen Landebahnen prägen seit Jahren verlassene, verfallene Gewächshäuser das Bild. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Das Ministerium für Beschäftigung und lokale Entwicklung der Inselregierung (Cabildo de Gran Canaria) hat eine massive Finanzspritze genehmigt, um das wichtige Umwelt- und Beschäftigungsprojekt in seine lang ersehnte dritte Runde zu schicken.
Insgesamt 1,5 Millionen Euro werden für diese neue Phase der Beschäftigungskampagne bereitgestellt. Die Initiative verfolgt ein klares Doppelziel: Sie bietet Menschen aus schwierigen Lebenslagen eine echte berufliche Perspektive und befreit gleichzeitig dutzende Hektar Land im Südosten der Insel von unschönem Agrarmüll. Das Projekt konzentriert sich vor allem auf die drei großen Gemeinden Ingenio, Agüimes und Santa Lucía de Tirajana, die unmittelbar an das Flughafengelände grenzen.
Ein optischer Neustart für das Tor zur Insel
Für die Inselregierung steht fest, dass der erste Eindruck der Urlauber entscheidend ist. Juan Díaz, der Leiter des zuständigen Ministeriums, betonte nachdrücklich die Bedeutung dieses Vorhabens. Nach seinen Worten bekräftigt der Inselrat mit der nunmehr dritten Auflage des Plans sein langfristiges Engagement für die Region. Dank der bisherigen Bemühungen konnte bereits ein stark vernachlässigtes Areal aufgewertet werden, das zuvor ein wenig attraktives Bild von Gran Canaria vermittelt hatte.
Die Maßnahmen gelten als strategischer Schlüssel. Einerseits verbessert das Programm die Chancen für Arbeitslose direkt vor Ort, andererseits wertet es die gesamte Einflugschneise optisch auf. Die verlassenen Holz- und Plastikkonstruktionen der alten Tomaten- und Bananenplantagen, die oft über Jahrzehnte hinweg der Witterung ausgesetzt waren, verschwinden damit Stück für Stück aus der Landschaft.
Dringlichkeitsverfahren im Inselrat sichert die Finanzierung
Damit die Arbeiten zügig fortgesetzt werden können, war schnelles bürokratisches Handeln gefragt. In der Plenarsitzung im Mai stimmte der Inselrat von Gran Canaria im Eilverfahren für eine entsprechende Kreditänderung. Dieser Schritt ermöglicht es dem Ressort von Juan Díaz, der Südostvereinigung (Mancomunidad del Sureste) den großzügigen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro direkt zu überweisen.
Die offizielle Bezeichnung der Kampagne lautet „Beschäftigungsplan zur Säuberung und Verbesserung der Umwelt: Flughafen-Touristengebiet“. Was im Jahr 2024 als ambitionierter Versuch begann, hat sich mittlerweile zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Durch die enge Kooperation zwischen dem Arbeitsamt der Kanarischen Inseln (SCE) und dem Inselrat konnten in den vergangenen Phasen bereits fast einhundert Hektar Land komplett von Plastikresten und gefährlichen Ruinen befreit werden. Diese Fläche entspricht der Größe von rund 140 Fußballfeldern.
Chancen für 65 Menschen aus der Region
Im Mittelpunkt der aktuellen Kampagne stehen die Menschen, die es auf dem regulären Arbeitsmarkt besonders schwer haben. Das überarbeitete Projekt richtet sich gezielt an 65 Arbeitslose aus dem Südosten der Insel. Um einen der begehrten Plätze zu erhalten, müssen die Bewerber klare Kriterien erfüllen:
- Sie müssen offiziell als arbeitssuchend gemeldet sein.
- Ihr Hauptwohnsitz muss in den Gemeinden Agüimes, Ingenio, Santa Lucía oder in den direkt angrenzenden Gebieten liegen.
- Sie müssen zu einer Zielgruppe gehören, die mit erheblichen Vermittlungshemmnissen zu kämpfen hat.
Zu diesen besonderen Gruppen zählen vor allem Langzeitarbeitslose, Jugendliche auf der Suche nach ihrem ersten Job oder ohne Schulabschluss, Personen über 45 Jahre sowie von Arbeitslosigkeit betroffene Frauen. Um sicherzustellen, dass die Hilfe genau dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird, müssen mindestens 60 Prozent der Teilnehmenden – das entspricht 39 Personen – nachweislich von sozialer Ausgrenzung bedroht sein.
Mehr als nur Aufräumarbeiten: Ausbildung mit Zukunft
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigen die Ergebnisse der ersten beiden Durchgänge. Damals erhielten insgesamt 83 Teilnehmende feste Arbeitsverträge mit einer Laufzeit von jeweils sechs Monaten. Doch das Programm setzt nicht nur auf reine Beschäftigung für den Moment, sondern investiert intensiv in die Zukunft der Menschen.
Während ihrer sechsmonatigen Anstellung absolvieren die Arbeitskräfte verschiedene qualifizierende Zusatzschulungen. Dazu gehören fundierte Kurse in den Bereichen der beruflichen Risikoprävention, der modernen industriellen Abfallwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung sowie im fachgerechten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Durch diese breit gefächerte Ausbildung erwerben die Teilnehmenden wertvolle Zertifikate, die ihre Chancen auf eine dauerhafte Anstellung auf dem privaten Arbeitsmarkt nach Ablauf des Projekts drastisch erhöhen.
Mit der Fortführung dieser Kampagne beweist Gran Canaria eindrucksvoll, wie moderner Umweltschutz, die optische Aufwertung der touristischen Infrastruktur und aktive Sozialpolitik erfolgreich Hand in Hand gehen können. Die Reaktivierung des Programms sorgt dafür, dass die unschönen Altlasten der Vergangenheit verschwinden und gleichzeitig neue Lebensperspektiven für die lokale Bevölkerung entstehen. – TF
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