Las Palmas – Das Vergabeverfahren für den umfassenden Umbau des Estadio de Gran Canaria tritt in die entscheidende Phase. Am Montag trat die Vergabekommission zusammen, um die ersten Formalunterlagen der Bietergemeinschaften zu öffnen. Drei internationale Konsortien haben ihre Angebote für das 234,8 Millionen Euro schwere Großprojekt eingereicht, das die Sportstätte in Las Palmas fit für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 machen soll. Der Bauzeitplan sieht einen Vertragsabschluss Ende November 2026 und den Baubeginn für Januar 2027 vor.
Drei Bieterkonsortien im Rennen um den Stadionausbau
Nach Ablauf der Einspruchsfrist für die Ausschreibungsunterlagen stehen die offiziellen Bewerber des Vergabeverfahrens fest. Das vom Insel-Sportinstitut (Instituto Insular de Deportes / IID) geförderte Projekt hat das Interesse führender nationaler und regionaler Baukonzerne geweckt. Die eingereichten Angebote stammen ausnahmslos von temporären Unternehmensverbindungen (Unión Temporal de Empresas – UTE):
- UTE 1 (Ferrovial / San José / Canary Initiatives): Eine Bietermischung aus den nationalen Baukonzernen Ferrovial (42,5 Prozent Anteil) und Grupo San José (42,5 Prozent Anteil) sowie dem regionalen Partner Canary Initiatives (15 Prozent Anteil).
- UTE 2 (OHL / Sando): Das Konsortium setzt sich zusammen aus Obrascón Huarte Lain (OHL mit 60 Prozent Anteil) und Constructora Sando (40 Prozent Anteil).
- UTE 3 (Sacyr / Partner): Geführt vom Infrastrukturkonzern Sacyr (60 Prozent Anteil) in Kooperation mit regionalen und nationalen Partnerunternehmen.
Zwei der drei bietenden Konsortien weisen eine direkte Beteiligung kanarischer Unternehmen auf. Dies stellt sicher, dass ein signifikanter Teil der Wertschöpfung direkt in der regionalen Wirtschaft verbleibt und Arbeitsplätze vor Ort gesichert werden.
Mehrstufiger Bewertungs- und Vergabeprozess bis November 2026
Das behördliche Prüfungsverfahren gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauende Phasen, um eine transparente und rechtssichere Vergabe der öffentlichen Mittel zu garantieren. Nach der Öffnung von Umschlag 1, der die juristische und administrative Dokumentation der Bieter enthält, folgt nun die detaillierte technische Evaluierung.
Für die Bewertung von Umschlag 2 (technisches Konzept, Ausführungsgedächtnis und grafische Pläne) wird ein unabhängiges Expertenkomitee konstituiert. Diesem Fachgremium gehören ein Wirtschaftsingenieur, zwei Architekten, ein Bauingenieur für Wasser- und Hafenbau sowie ein auf öffentliches Vergaberecht spezialisierter Jurist an. Die Experten verfügen über einen Zeitraum von 15 Kalendertagen, um ihre abschließende Bewertung abzugeben.
Im Anschluss öffnet die Vergabekommission Umschlag 3, der die finanziellen Angebote sowie die verbindlichen Ausführungsfristen beinhaltet. Falls keine unüblich niedrigen Angebote („abnormale Opfer“) festgestellt werden, die eine zehntägige Prüfungsfrist erfordern würden, soll die finale Zuschlagserteilung in den letzten Novembertagen 2026 erfolgen. Der physische Beginn der Erdarbeiten und Rückbaumaßnahmen auf dem Stadiongelände ist für Januar 2027 eingeplant.
Detaillierte Aufschlüsselung des Budgets: 93 Millionen Euro für das Dach
Das Gesamtauftragsvolumen der Ausschreibung beläuft sich exakt auf 234,8 Millionen Euro. Der reine materielle Ausführungshaushalt (Presupuesto de Ejecución Material) beträgt dabei 184,4 Millionen Euro. Die Differenz zur Gesamtsumme ergibt sich aus den gesetzlichen Gemeinkosten, dem kalkulierten Bauunternehmergewinn sowie der kanarischen Sondersteuer IGIC in Höhe des Regelsatzes von 7 Prozent.
Die einzelnen Gewerke und Kostenblöcke teilen sich wie folgt auf:
- Stadionüberdachung (93,0 Millionen Euro / 50,46 %): Die neue, freitragende Dachkonstruktion bildet den größten Einzelposten des Gesamtbudgets. Sie wird die gesamten Tribünen überspannen, den Witterungsschutz für alle Zuschauer gewährleisten, die Stadionakustik optimieren und dem Bauwerk eine prägende architektonische Silhouette verleihen.
- Betonstrukturen (22,3 Millionen Euro / 12,14 %): Tragende Betonelemente zur statischen Verstärkung und Oberrangerweiterung.
- Fundamente und Stützmauern (14,8 Millionen Euro / 8,04 %): Umfangreiche Erdarbeiten und Tiefgründungen zur Absicherung der Kapazitätsaufstockung.
- Erneuerbare Energien & Elektrotechnik (7,3 Millionen Euro): Installation von Niederspannungsanlagen, Solarenergiekopplung und energieeffizienter Gebäudetechnik.
- Feste Möblierung & Bestuhlung (4,8 Millionen Euro): Anschaffung neuer Sitzsysteme für das gesamte Stadion.
- Sicherheit & Brandschutz (3,8 Millionen Euro): Modernste Schutz- und Überwachungssysteme.
- Klimatisierung & Belüftung (3,6 Millionen Euro): Vollständige Erneuerung der Klimatechnik in Innenräumen und VIP-Bereichen.
- Entsorgung & Umweltmanagement (1,4 Millionen Euro): Fachgerechtes Recycling und Schuttbeseitigung.
- Qualitätskontrolle (239.675 Euro): Unabhängige baubegleitende Prüfmaßnahmen.
Wirtschaftsfaktor und Beschäftigungseffekte für Gran Canaria
Der Ausbau der Sportstätte entfaltet erhebliche Wirkung auf den lokalen Arbeitsmarkt. Für die direkten Personalkosten sind im Budget exakt 46.719.317,17 Euro reserviert. Das bedeutet, dass nahezu jeder fünfte Euro (20 Prozent der Gesamtsumme) direkt in die Bezahlung der auf der Baustelle beschäftigten Arbeiter und Spezialisten fließt.
Nach Erhebungen des regionalen Bauarbeitgeberverbandes erzeugt jeder in die Bauwirtschaft investierte Euro einen dreifachen Rückfluss für die Volkswirtschaft. Hinzu kommt ein Multiplikatoreffekt von einem weiteren Euro durch nachgelagerte Investitionen im Umfeld (Anbieter von Transportleistungen, Baustofflieferanten, Handwerksbetriebe und Hilfsdienstleister). Die daraus resultierenden Steuereinnahmen fließen wiederum in die Finanzierung öffentlicher Sozial- und Gesundheitseinrichtungen der Kanarischen Inseln.
Kapazitätserweiterung auf 44.020 Plätze für FIFA- und UEFA-Standards
Der Entwurf des namhaften Architekturbüros L35 Architects sieht eine Entkernung und Neugestaltung des Gebäudekomplexes von seinen Fundamenten an vor. Neben der optischen Neugestaltung steht die Erweiterung der Tribünenkapazität von derzeit 32.418 auf künftig 44.020 Sitzplätze im Mittelpunkt. Damit übertrifft das Estadio de Gran Canaria die Mindestanforderung des Weltfußballverbands FIFA, der für Spiele der Gruppenphase einer Weltmeisterschaft eine Sitzplatzkapazität von mindestens 40.000 verlangt (Quelle: FIFA Stadium Guidelines / RFEF).
Zusätzlich werden sämtliche Zugänge barrierefrei gestaltet, Medien- und Pressebereiche ausgebaut, die Mannschaftsumkleiden modernisiert und VIP-Logen auf internationalen Standard gebracht. Das Stadion erfüllt nach Abschluss der Arbeiten sämtliche Anforderungskataloge der UEFA, des Spanischen Fußballverbandes RFEF und der FIFA für die Ausrichtung der WM 2030.
Nachhaltigkeitskonzept und städtebauliche Integration
Ein zentraler Pfeiler des Projekts ist die ökologische Nachhaltigkeit der Anlage. Das geplante Energiesystem nutzt Photovoltaik zur Eigenstromerzeugung und integriert effiziente Wasserkreisläufe für die Rasenbewässerung und Sanitäranlagen. Durch die Verwendung von Baustoffen mit verringertem CO2-Fußabdruck soll das renovierte Stadion mit einem deutlich geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch betrieben werden als die bestehende Sportstätte.
Mit der Modernisierung positioniert das Cabildo de Gran Canaria die Arena im Stadtteil Siete Palmas nicht nur als Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern auch als multifunktionale Veranstaltungsstätte für internationale Sportereignisse, Konzerte und Kulturveranstaltungen in Südeuropa. – TF
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