Rückschlag für Umweltschützer: Mega-Kraftwerk Chira-Soria darf gebaut werden – Das bedeutet es für die Insel
Gran Canaria – Der Oberste Gerichtshof der Kanarischen Inseln (TSJC) hat dem zukunftsweisenden Kraftwerksprojekt Chira-Soria erneut den Rücken gestärkt. In einem aktuellen Urteil wurde die Berufung der Umweltschutzorganisation Turcón-Ecologistas en Acción in vollem Umfang abgewiesen. Damit bleibt die Umweltverträglichkeitserklärung (DIA) aus dem Juli 2021 bestehen, die dem Bauvorhaben offiziell grünes Licht gegeben hatte.
Fehlende technische Beweise entscheiden den Prozess
In dem Urteil wies die zuständige Streitkammer die Beschwerde der Umweltschützer zurück. Diese hatten versucht, die Baugenehmigung und die Erklärung des öffentlichen Nutzens durch die Generaldirektion für Energie vom Dezember 2021 für nichtig erklären zu lassen. Zudem strebte die Organisation die teilweise Streichung der Umweltauflagen an.
Das Gericht begründete die Abweisung vor allem mit einem gravierenden Mangel an stichhaltigen Beweisen. Zwar hatte Turcón 51 verschiedene Dokumente eingereicht – darunter Briefe, Karten, Statistiken und Presseberichte. Allerdings, so die Richter, fehlte ein entscheidendes technisches und unabhängiges Sachverständigengutachten, welches die Schlussfolgerungen der fast 100-seitigen Umweltverträglichkeitserklärung (DIA) konkret hätte widerlegen können.
Strenge Auflagen für den Naturschutz bleiben bestehen
Die Richter unterschieden in ihrer Urteilsbegründung deutlich zwischen einer komplett fehlenden Umweltprüfung und einer angeblich unzureichenden Bewertung, wie sie von den Klägern bemängelt wurde. Um eine bereits durchgeführte und umfangreiche Prüfung juristisch anzufechten, bedarf es besonders fundierter technischer Gegenbeweise. Die Kosten des Verfahrens wurden der Umweltschutzorganisation auferlegt, so wie in vorgehenden Urteilen angedroht. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig; innerhalb von 30 Tagen kann eine Revision (Kassationsbeschwerde) eingelegt werden.
Die aktuellen Auflagen des Projekts beinhalten bereits sehr strenge Vorgaben: So gibt es 14 Umweltbedingungen, und eine spezielle Kommission überwacht permanent Aspekte wie Lärm, Staubentwicklung und den Schutz der Flora und Fauna (Natura 2000). Um die Eingriffe in die Natur während der Bauphase so gering wie möglich zu halten, werden beispielsweise fünf Strommasten per Hubschrauber errichtet. So soll der umweltschädliche Bau von neuen Zufahrtswegen vermieden werden.
Chira-Soria: Ein Schlüsselprojekt für die Energiewende auf Gran Canaria
Bei dem Projekt Chira-Soria handelt es sich um ein gigantisches Pumpspeicherkraftwerk, das vom nationalen Stromnetzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) realisiert wird. Es verbindet die beiden großen, bereits bestehenden Stauseen Chira und Soria im gebirgigen Inselinneren von Gran Canaria miteinander.
Die Anlage ist von zentraler Bedeutung für die Energiewende der Insel, die bisher stark von fossilen Brennstoffen abhängig war. Das Kraftwerk wird künftig überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien (vor allem Wind und Solar) nutzen, um Wasser in den höher gelegenen Stausee zu pumpen. Bei erhöhtem Strombedarf oder Flauten fließt das Wasser durch Turbinen zurück in das tiefere Becken und erzeugt saubere Energie. Mit einer geplanten Leistung von 200 Megawatt (MW) und einer enormen Speicherkapazität von rund 3,5 Gigawattstunden (GWh) soll Chira-Soria das autonome Stromnetz der Insel massiv stabilisieren. Die Inbetriebnahme des strategisch wichtigen Großprojekts wird für das Jahr 2027 erwartet. – TF
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