Las Palmas – Der Traum von der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 auf den Kanarischen Inseln steht auf der Kippe. Ein zentrales Puzzleteil der Bewerbung, die umfassende Renovierung des Gran Canaria Stadions, ist massiv ins Stocken geraten. Bei der jüngsten Ausschreibung für die Bauarbeiten wurde kein einziges Angebot eingereicht. Die politische Opposition, insbesondere die Kanarische Koalition (CC), warnt nun eindringlich vor einer „realen Gefahr“, den Status als Austragungsort vollständig zu verlieren.
Warum der Stadionumbau ins Stocken gerät
Hintergrund der aktuellen Krise ist eine deutliche Diskrepanz zwischen dem vom Inselrat (Cabildo) veranschlagten Budget und den realen Baukosten. Obwohl das ursprüngliche Projektbudget von 100 Millionen Euro kürzlich auf 174 Millionen Euro aufgestockt wurde, reichte diese Summe nicht aus, um Bauunternehmen für das Großprojekt zu gewinnen. Vertreter des Bausektors hatten im Vorfeld mehrfach davor gewarnt, dass die bereitgestellten Gelder die aktuellen Ausführungskosten auf dem Markt bei Weitem nicht decken könnten.
Hinzu kommen laut Angaben der Bauunternehmen zu straffe Zeitpläne und ein extrem strenges Strafsystem für mögliche Verzögerungen. Diese strikten Ausführungsbedingungen machen es für die Branche unmöglich, den Vertrag zu den aktuell vom Cabildo geforderten Konditionen wirtschaftlich tragfähig zu übernehmen.
Reale Gefahr für die WM 2030: Die Zeit drängt
Für die Partei CC offenbart diese Entwicklung ein massives Managementversagen. Stadtrat Julio Rodríguez betonte, dass der zuständige Sportstadtrat noch vor wenigen Wochen die festgelegten Preise öffentlich als „sorgfältig geprüft und realitätsnah“ verteidigt hatte. Die Realität der nun für ungültig erklärten Ausschreibung beweise das exakte Gegenteil.
Der Zeitdruck ist enorm. Um als offizieller Austragungsort für das Mega-Event in Spanien, Portugal und Marokko zugelassen zu werden, muss das Stadion zwingend strikte Vorgaben erfüllen. Dazu gehört unter anderem eine Erweiterung der Zuschauerkapazität auf mindestens 40.000 Plätze (Quelle: Offizielle FIFA-Anforderungen für WM-Stadien). Aktuell fasst die Arena lediglich rund 32.400 Zuschauer. Ohne einen planmäßigen und sofortigen Baubeginn ist dieses Ziel kaum noch zu erreichen.
„Die Gefahr, dass Gran Canaria nicht rechtzeitig zur Weltmeisterschaft 2030 bereit sein wird, wird immer realer“, warnt Rodríguez. Er wirft dem amtierenden Inselpräsidenten Antonio Morales vor, das Problem lediglich hinauszuzögern, um es der nächsten Regierung nach den Wahlen 2027 zu überlassen.
Forderung nach einem realistischen Neuanfang
Ein weiterer Kritikpunkt der Opposition ist der vom Cabildo geplante nächste Schritt, die Auftragsvergabe nun über ein Verhandlungsverfahren abzuwickeln. Auch hier warnte der Bauverband, dass dieses Vorgehen kaum die notwendigen Anpassungen der Vertragsbedingungen zulässt und im schlimmsten Fall neue rechtliche Hürden schaffen könnte. Zudem erinnert CC-Stadtrat Rodríguez an die umstrittene Ernennung des für das Projekt verantwortlichen Inseldirektors, der zuvor selbst an den Ausschreibungsunterlagen mitgewirkt hatte.
Die CC fordert stattdessen einen klaren und sauberen Schnitt: Es müsse auf die ausführende Branche gehört und eine komplett neue Ausschreibung mit einem realistischen Budget und machbaren Fristen auf den Weg gebracht werden. Die Partei befürwortet die Ausrichtung der WM auf der Insel ausdrücklich, betont aber, dass dieses Ziel Strenge, seriöse Planung und ein verantwortungsvolles Management erfordert – und keine triumphalistischen Ankündigungen, die an der Realität der Bauwirtschaft scheitern. – TF
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