Die kanarische Nationalpolizei hat einen massiven Erfolg im Kampf gegen die organisierte Kriminalität verzeichnet. Im Zentrum des Skandals steht jedoch nicht nur ein gewöhnliches Kartell, sondern ein lokaler Polizist aus Las Palmas de Gran Canaria. Unter dem Decknamen „JUKE“ soll der Beamte ein weitreichendes Drogennetzwerk gesteuert haben.
Operation Tijuana: Wenn ein Gesetzeshüter die Seiten wechselt
Nach über einem Jahr intensiver Ermittlungen haben Spezialkräfte der Zentralen Einheit für Drogen- und Organisierte Kriminalität (UDYCO) den Drogenhandel auf den Kanarischen Inseln empfindlich getroffen. Die sogenannte „Operation Tijuana“ führte zur Festnahme von insgesamt sieben Personen. Die brisanteste Personalie darunter ist zweifellos der Lokalpolizist aus Las Palmas de Gran Canaria.
Laut Angaben der Nationalpolizei steht der Beamte unter dem dringenden Verdacht, die Führungsebene dieses kriminellen Netzwerks gebildet zu haben. Der unter dem Spitznamen „JUKE“ bekannte Polizist soll seine Insiderkenntnisse genutzt haben, um die Logistikinfrastruktur der Bande aufzubauen und abzusichern. Gegen ihn wurde bereits seit längerer Zeit ermittelt. Im Fokus stand dabei seine mutmaßliche Fähigkeit, enorme Mengen an Haschisch und Kokain unbemerkt auf die Inseln einzuführen und dort hocheffizient zu verteilen.
Brisante Verbindungen: Das Balkan-Kartell und „El Buque“
Die Ermittlungen brachten ans Licht, wie tief der verhaftete Polizist in die internationale Unterwelt verstrickt sein soll. So konnten die Fahnder direkte Verbindungen zwischen „JUKE“ und einem der größten bekannten Drogenbarone des Archipels bestätigen: einem Mann, der in der Szene als „El Buque“ bekannt ist. Dieser sitzt bereits infolge der kürzlich durchgeführten „Operation Blood Ties“ im Gefängnis und galt als Schlüsselfigur der Region.
Darüber hinaus weisen die Spuren weit über die spanischen Grenzen hinaus. Das Netzwerk kooperierte den Erkenntnissen zufolge mit Akteuren, die dem berüchtigten Balkan-Kartell nahestehen. Dieses agiert global und steuert weite Teile des europäischen Kokainschmuggels.
Die Kanarischen Inseln als Drehkreuz des internationalen Drogenhandels
Dass ein derartiges Netzwerk gerade auf den Kanarischen Inseln operiert, ist kein Zufall. Geografisch gesehen bildet der Archipel ein kritisches Nadelöhr im internationalen Schmuggel. Einerseits nutzen südamerikanische Kartelle den Atlantik, um Kokain per Schiff nach Europa zu schleusen. Andererseits liegt die afrikanische Küste in unmittelbarer Nähe, was die Inseln zu einem bevorzugten Ziel für den Schmuggel von marokkanischem Haschisch macht. Europol und das spanische Innenministerium weisen in ihren Berichten regelmäßig darauf hin, dass kriminelle Infiltrationen an solchen logistischen Knotenpunkten eine enorme Bedrohung darstellen (Quelle: Berichte von Europol zur organisierten Kriminalität / Spanisches Innenministerium).
Spezialeinheiten wie die UDYCO arbeiten unermüdlich daran, diese komplexen Strukturen zu zerschlagen. Dass nun ausgerechnet ein Mitglied der örtlichen Sicherheitsbehörden als mutmaßlicher Anführer enttarnt wurde, beweist, mit welch massiven Mitteln die organisierte Kriminalität versucht, staatliche Kontrollen auszuhebeln.
Ein verräterischer Transporter als Auslöser der Razzien
Der entscheidende polizeiliche Durchbruch in der „Operation Tijuana“ ergab sich aus einem Transport der Schmuggler. Die Aktion kam ins Rollen, nachdem Beamte einen Verteilerring aufgedeckt hatten. Die Verdächtigen nutzten einen unscheinbaren, gemieteten Lieferwagen, in dem sie mehr als 300 Kilogramm Haschisch transportierten. Diese unauffällige Methode wurde mutmaßlich gewählt, um im dichten Lieferverkehr der Inseln unterzutauchen und polizeiliche Straßensperren zu umgehen.
Waffen, Bargeld und Drogen: Die Bilanz des Zugriffs
Auf den Fund des Lieferwagens folgten schnelle, von der Justiz genehmigte Zugriffe. Die Ermittler durchsuchten insgesamt sechs Wohnhäuser und Geschäftsräume in den Gemeinden Las Palmas de Gran Canaria, Ingenio und San Bartolomé de Tirajana. Die beschlagnahmten Güter unterstreichen das Ausmaß der kriminellen Aktivitäten:
- Mehr als 300 Kilogramm Haschisch
- Zwei Kilogramm Kokain
- Zwei scharfe Handfeuerwaffen
- 55.000 Euro in bar
- Acht Fahrzeuge und ein Festrumpfschlauchboot
- Ein Dutzend Mobiltelefone sowie umfangreiches Beweismaterial
Die Ermittlungen der Nationalpolizei sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Behörden schließen weitere Maßnahmen und Festnahmen nach der detaillierten Auswertung des sichergestellten Materials ausdrücklich nicht aus. Die sieben bislang Inhaftierten, darunter der mutmaßliche Drahtzieher und Polizist „JUKE“, werden in Kürze einem Haftrichter vorgeführt, der über die weiteren juristischen Schritte entscheiden wird. – TF
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