95% Zuschuss für Baulizenz? Braucht der Siam Park Gran Canaria die Zuschüsse? Reiches Unternehmen in der Kritik
Bild Info: Marchial (Mitte) und Kiessling bei einem Treffen, Bild: MaspalomasAhora

95% Zuschuss für Baulizenz? Braucht der Siam Park Gran Canaria die Zuschüsse? Reiches Unternehmen in der Kritik

San Bartolomé de Tirajana – Um die Pläne des Siam Park auf Gran Canaria zu unterstützen hatte der zuständige Gemeinderat von San Bartolomé de Tirajana jüngst angekündigt die Baulizenz mit 95% zu bezuschussen, das würde einem Betrag von 1,2 Millionen Euro entsprechen. Allerdings sieht das Gemeinderecht der südlichen Gemeinde auf Gran Canaria einen solchen Zuschuss nicht vor und dieser wäre illegal, dazu müsste also das Baurecht erst geändert werden. Das ist aber nicht der einzige Zuschuss den die Loro Parque SA für das Projekt erhalten würde. In Las Palmas gab es einen solchen Zuschuss für das Poema del Mar ebenfalls, hier ist das Baurecht aber dafür vorbereitet und es war legal, da es im „besonderen Interesse der Kommune war“.

Die Zeitschrift El Diario hat sich die Arbeit gemacht und einmal die letzten Jahre der Finanzen der Loro Parque SA angeschaut. Insgesamt hat das Unternehmen rund 20 Millionen Euro an Zuschüssen bekommen (seit 2004), obwohl es nur eine Körperschaftssteuer von 6,7% zahlt. Üblich sind auf den Kanarischen Inseln 25%. Für den geplanten Siam Park Gran Canaria gab es einen Zuschuss in Höhe von 6,8 Millionen Euro. Für das Poema del Mar (ein Besuch lohnt sich!) gab es einen Zuschuss in Höhe von 4 Millionen Euro und für den Ausbau des Siam Park auf Teneriffa gab es sogar einen Zuschuss in Höhe von 11 Millionen Euro. Fair muss man bleiben, die meisten Gelder stammten nicht aus der Steuerkasse, sondern aus Fördertöpfen der EU für die Entwicklung der europäischen Randgebiete.

Zwischen 2008 und 2018 hat das Unternehmen seinen Gesamtumsatz von 9 Millionen auf 29 Millionen Euro mehr als verdreifacht, trotzdem zahlt man lediglich 6,7% Steuern, da man hier eine sogenannte Rückstellung nutzt. Dabei werden bis zu 90% des Umsatzes als Rückstellung für Investitionen vorgesehen, diese müssen dann binnen 5 Jahren genutzt werden, ansonsten wäre die volle Steuer zu zahlen. Letztendlich zahlt die Loro Parque SA nur auf 10% des Umsatzes die Steuer. Die aktuelle Reserve (Rückstellung) beträgt 173 Millionen Euro für Investitionen auf den Kanarischen Inseln.

Neben dieser Steuerberechnung nutzt das Unternehmen auch die sogenannte ZEC, denn sowohl für das Poema del Mar als auch den Siam Park auf Teneriffa gibt es Tochterunternehmen die in diese ZEC fallen, hier werden sogar nur 4% Körperschaftssteuer fällig.

Viele Politiker, besonders von Teneriffa sind mit der Familie Kiessling befreundet und man kann davon ausgehen, dass hier auch entsprechende Hebel genutzt werden, ElDiario spekuliert auch hier einiges zusammen, so wurden gut bezahlte Firmenposten an Politiker abgegeben, nachdem diese die Ämter aufgegeben haben. Eine gängige Praxis die man ja jüngst auch bei Sigmar Gabriel (SPD) und der Deutschen Bank wieder gesehen hat.

Berücksichtigt man alle diese Informationen muss man sich natürlich aber auch fragen, ob das Unternehmen nicht einfach die geforderten Millionen des spanischen Staates zahlen kann. Schließlich ist das ein geringerer Beitrag, von dem was man da an Summen bisher als Bonis bekommen hat. Zudem sind die Steuerersparnisse enorm, dem Unternehmen geht es gut, Familie Kiessling gehört zu den 200 reichsten Spaniern (TOP 3 auf den Kanarischen Inseln) und man streitet hier in der Tat über Beiträge, die ein Herr Ackermann nur noch als die Peanuts-Schale bezeichnet hätte. – TF

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