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TUI macht den Wahn nach Luxushotels für Rückgang des Tourismus auf den Kanaren mitverantwortlich

Bild Info: Im Bild links der Generaldirektor von Cordial, Nicolás Villalobos, und rechts der Verantwortliche von Tui, Oscar Palacios. Bild: Screenshot Canarias7

Maspalomas – Am letzten Tag des 6. internationalen Tourismusforums in Maspalomas gab es eine Podiumsdiskussion zwischen dem Generaldirektor von Cordial Hotels, Nicolás Villalobos und dem stellvertretenden Direktor von TUI für die Kanarischen Inseln, Oscar Palacios. Bei der Diskussion warnte TUI davor, dass der deutsche Quellenmarkt alleine in diesem Winter einen Rückgang von 15,3% für Gran Canaria bei TUI zu verzeichnen hat, hingegen sank die Anzahl der Gäste von TUI auf den Kanaren um lediglich 12,7%. Gleichzeitig hob Palacios hervor, das man beispielsweise für die Türkei ein Plus von 179% und für Ägypten ein Plus von 40,1% verbuchen könne.

Laut Palacios gibt es verschiedene Faktoren, die für diese Schwankungen des deutschen Marktes verantwortlich sind. Zum einen wurden „in den letzten drei oder vier Jahren in Deutschland nur die Kanarischen Inseln als Reiseziel vermarktet und der Kunde ist möglicherweise müde, daher würde er lieber Urlaub in der Türkei machen als auf den Inseln“. Er erwähnte auch den besonders lange anhaltenden Sommer, der in Mitteleuropa einfach dazugeführt habe, das die Menschen kaum an Urlaub gedacht haben.

Er persönlich zieht aber auch ein anderes Fazit, die Modernisierungen und Renovierungen auf den Kanaren, die besonders aus Apartmenthäusern Vier-Sterne oder Fünf-Sterne Hotels machen seien problematisch. Er sagte „6% der deutschen Touristen, die die Inseln besuchen, buchen jedoch nur solche Unterkünfte, der Rest bucht lieber Apartments mit Selbstverpflegung“.

Dem fügte der Generaldirektor von Cordial Hotels hinzu, dass dies der „Obsession widerspricht, dass hier auf Luxushotels gesetzt wird und diese Art Unterkünfte aufgegeben werden müssen“. Anscheinend ist vieles auch darauf zurückzuführen, dass das Konzept der Qualitätssteigerung mit Luxussanierung verwechselt wurde, welches völlig ignoriert, dass „es Kunden gibt, die nach einem Apartment in zweiter Strandreihe von Playa del Inglés suchen, mit einem Balkon und vielen Sonnenstunden, wo man zwei oder drei Monate verbringen kann“, die Gäste buchen meist „ein Jahr im Voraus, wenn es sich lohnt und im Verhältnis zu Qualität und Preis stimmig ist“, fügte er hinzu. Wenn dem nicht so ist „verlieren wir hier Touristen“.

Zum Abschluss sagte der stellvertretende Direktor von TUI noch, dass man hierhergekommen sei „um zu bleiben“, Tui bringt jährlich rund 3 Millionen Kunden aus ganz Europa auf die Kanarischen Inseln. Für TUI sei es jedoch wichtig, dass die Kanarischen Inseln für alle Gäste ein entsprechendes Angebot bereitstellen.

Meinung/Kommentar:
Nun, über das Thema wurde mehrfach auch von uns schon angeschnitten, natürlich gibt es viele Faktoren, die in diesem Jahr dazu beigetragen haben, dass der Tourismus eben nicht mehr weiter gewachsen ist, zumindest nicht bei der Zahl der Gäste. Ein Faktor wurde auch von unseren Lesern immer wieder benannt, es ist teuer geworden. Indirekt deuteten die beiden Diskussionsteilnehmer dies auch an, indem bestätigt wurde, dass man zu sehr auf Luxus gesetzt hat. Qualität hat Ihren Preis, ohne Frage, aber auf den Kanaren gibt es ja sogar Gesetze, die eine Sanierung von Anlagen verhindern, stattdessen soll ja alles in Vier-Sterne-Hotels (mindestens) umgebaut werden. Ein Trend, der für die Zukunft nicht sicher ist und von dem die Kanaren wieder wegkommen sollten. – TF

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