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Wolfgang Kiessling über den Siam Park Gran Canaria: Pérez verachtet das Projekt

Bild Info: Wolfgang Kiessling (81) sprach in einem außführlichen Interview mit der Tageszeitung Canarias7. Bild: Francisco José Fajardo / Screenshot Canarias7

Playa del Inglés – Der geplante Siam Park in Playa del Inglés steht noch immer still, es fehlt noch immer die finale Lizenz. Nun hat sich Wolfgang Kiessling in einem Interview mit der Tageszeitung Canarias7 zu dem Thema selbst geäußert. Er habe „die Nase voll von den ständigen Hindernissen“, die vonseiten der Stadtverwaltung San Bartolomé de Tirajana immer wieder neu Auftauchen. Seit nun gut einem Jahr wartet man auf die finale Lizenz für den Bau des Siam Parks Gran Canaria in El Veril.

Er sieht besonders beim Bürgermeister Marco Aurelio Pérez das Problem und hier besonders im Streit mit dem Inselpräsidenten Antonio Morales. „Er (Pérez) benutzt uns als politisches Werkzeug“ meint Kiessling. „Ich weiß nicht was passiert, weil wir nicht vorwärtskommen und immer wenn wir ein Problem lösen, kommt ein neues“. Allerdings will er das Projekt wohl nicht einfach aufgeben, „Wir wollen investieren, Arbeitsplätze schaffen, attraktiv sein und einen außergewöhnlichen Park schaffen, aber es wird immer komplizierter“.

Das erste Mal sprach man über den Siam Park Gran Canaria vor sieben Jahren, damals war Wolfgang Kiessling 74 Jahre alt, nun ist er 81 Jahre alt. „Ich verstehe die Position von Marco Aurelio Pérez nicht“, fügte er hinzu. „Ich habe so viele Dinge getan, ich habe so hart gearbeitet, ich möchte die Illusion in diesen Jahren meines Lebens nicht verlieren, wenn ich das Minenfeld vor mir sehe und nicht weiß, ob ich es lebend durchqueren kann“.

Der Loro Parque Gruppe gehe es wohl auch nicht ums Geld, denn „es ist keine Frage des Gelds, glaubt mir, wir wollen etwas Großartiges tun, wir wissen auch wie es geht und wir sind überzeugt, es tun zu können, aber wenn sie (San Bartolomé de Tirajana) nicht wollen, dann wollen sie nicht. Wenn ich den Park auf Gran Canaria nicht realisiere, lebe ich evtl. etwas ruhiger“. Er will nur wissen, warum der Bürgermeister sich ihm gegenüber so verhält. „Ich weiß das Marco Aurelio Pérez gesagt hat, dass, wenn der Deutsche, bezogen auf mich, seine Sprache lernt, dann wird er mit mir reden. Aber schauen Sie, ich spreche vier Sprachen, jede in meinem Stil und ich komme sehr gut durch in diesem Leben. Ich habe mit diesem Bürgermeister keine Schwierigkeiten und habe ihn immer mit Respekt behandelt, das werde ich weiterhin auf die gleiche Weise tun, aber ich bitte ihn, mich auch mit dem gleichen Respekt zu behandeln“, warnt Kiessling.

Das permanente verstecken hinter irgendwelchen Paragrafen oder Anforderungen ist auch „unmöglich für den Bürgermeister, einen Mangel an technischen Dokumenten gibt es nicht“. Es wurden fast 500.000 Euro für technische Projekte und Dokumente ausgegeben, die der Stadtverwaltung vorliegen. Das Projekt muss „wohl gerahmt in den Händen des Bürgermeisters liegen, weil er eine für Gran Canaria unverzichtbare in den Händen hält und Pérez denkt, er habe alles allein in der Hand“. Allerdings dreht Kiessling das Blatt: „Als das Cabildo den Siam Park von bedeutendem Interesse für die Insel einstufte, war Pérez ganz vorne dabei, seitdem er wieder als Bürgermeister im Rathaus sitzt, wirft er nur Hindernisse in den Weg des Projektes und versucht uns in einen politischen Konflikt mit Antonio Morales zu ziehen, das einzige was wir dazu zu sagen haben ist, dass sowohl Inselregierung als aus kanarische Regierung sich an alle Absprachen gehalten haben, die Stadt San Bartolomé de Tirajana jedoch nicht, stattdessen versucht man, uns als politisches Werkzeug zu verwenden und dies in einer falschen Art und Weise, ich hoffe er weiß, dass wir keinerlei politische Tendenzen haben“.

Kiessling ist bisher wohl nie in den Sinn gekommen, dass Handtuch zu werfen, aber er muss zugeben, dass „ich zwar nicht die Lust verloren habe, aber die Begeisterung. Ich habe Angst zu sagen, dass es auf Gran Canaria einen Siam Park geben wird. Ich habe Bedenken und ich sehe mich vor sieben Jahren eben noch mit dieser Begeisterung. Zudem weiß ich nicht, ob ich jetzt noch wagen würde zu sagen, ob es gelingen wird, weil zu viele Dinge passiert sind. Es ist notwendig, zuerst zu vertrauen, bevor wir fortfahren können.“

Zum Schluss sprach Kiesling auch noch über die Hindernisse, die man der Loro Parque Gruppe in den Weg warf. Unter anderem geht es auch um die geplante Größe des Parks. Auf Teneriffa habe der Park rund 145.000 Quadratmeter und das Grundstück in El Veril kommt auf 185.000 Quadratmeter, der Siam Park auf Teneriffa wurde bereits fünf Mal in Folge zum besten Wasserpark der Welt (von 20.000) gewählt, der auf Gran Canaria sollte noch bedeutender werden, „besonders bei Design, Technologie und Größe“, so Kiessling. Nach und nach wurde das Bauland in El Veril aber verkleinert, einmal waren es zusätzliche Grünflächen, die von der Stadt gefordert wurden, dann ein Abwasserkanal für Regenwasser (der ist ja sogar schon fertig) und dann „hatten wir Pech als prähispanische Funde entdeckt wurden, das hat uns mehrere Tausend Meter gekostet, wir haben rund 20.000 Quadratmeter verloren“, rechnet Kiessling vor.

Aktuell wird wohl über ein weiteres Abwasserrohr diskutiert, welches durch das Land geht, aber nichts mit dem neuen Park zu tun hat. „All diese Probleme kehren ein Projekt um, welches viele Arbeitsplätze schaffen soll und eine der besten Attraktionen der Weltkategorie werden soll. Das alles hat seinen Preis, der Park sollte 2019 eigentlich eröffnet werden und nun ende 2018 haben wir nicht einmal die Lizenz um diesen zu Bauen“, beendet Kiessling das Interview.

Alles in Allem liest man viel Unverständnis und viel Wehmut in diesem Interview. Man kann es auch sehr gut verstehen, denn die Hindernisse die Kiessling dort angesprochen hatte, sind wirklich niederer Natur und werden zu unglaublichen Problemen hochgehoben, zumindest vonseiten der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana, respektive dessen ewig regierendem Bürgermeister. Da im kommenden Jahr Wahlen anstehen, sollte man auch als Ausländer sein Wahlrecht gebrauchen um ggf. diesem Bürgermeister aufzuzeigen, dass es so nicht weitergehen kann. Alleine die Aussage, dass er nur mit Kiessling sprechen werden, wenn der „Deutsche“ seine Sprache lernen würde, obwohl Kiessling spanisch spricht, ist nahezu unverschämt. – TF

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