Infos Gran Canaria | Das Inselportal
Natur & UmweltNewsWirtschaft & Branchen

Aus für Oktopusfarm in Las Palmas: Projekt offiziell abgesagt

Hintergründe zu Umweltauflagen und Reaktionen.

Lesedauer 3 Minuten

Las Palmas – Das umstrittene Großprojekt der weltweit ersten kommerziellen Oktopusfarm im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria ist offiziell gescheitert. Der spanische Seafood-Konzern Nueva Pescanova hat seinen Antrag auf eine Hafenkonzession bei der Hafenbehörde von Las Palmas (Autoridad Portuaria de Las Palmas) offiziell zurückgezogen. Damit bringt das Unternehmen ein Vorhaben zum Stehen, das seit seiner Bekanntgabe im Jahr 2021 weltweite Debatten unter Umweltschützern, Wissenschaftlern und Vertretern der Aquakultur-Industrie ausgelöst hatte.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Offizieller Rückzug: Nueva Pescanova zieht den Antrag für die Zuchtanlage im Puerto de Las Palmas zurück.
  • Behördliche Gründe: Unklarheiten bei Umweltauflagen und abgelaufene Fristen führten zum Abbruch.
  • Wirtschaftliche Dimension: Das geplante 50-Millionen-Euro-Projekt sollte jährlich rund 3.000 Tonnen Oktopusfleisch produzieren.
  • Breiter Widerstand: Tierschutzorganisationen wie PETA und Compassion in World Farming werten das Ende als Etappensieg.

Regulatorische Hürden beenden Großprojekt in Las Palmas

Die Pläne des galicischen Konzerns sahen vor, im Hafengebiet von Las Palmas eine industrielle Zuchtanlage zu errichten. Dort sollten jährlich etwa eine Million Exemplare des gewöhnlichen Oktopusses (Octopus vulgaris) aufgezogen und verarbeitet werden. Nueva Pescanova hatte zuvor nach eigenen Angaben mehr als acht Jahre lang an der Erforschung der Nachzucht geforscht und den Fortpflanzungszyklus der Tiere in Gefangenschaft erfolgreich geschlossen.

Der Rückzug erfolgt nun aufgrund von Verzögerungen und veränderten behördlichen Rahmenbedingungen. Nach Berichten von Fachmedien wie SeafoodSource und regionalen Medien wie Mírame TV informierte die Unternehmensleitung die Hafenbehörde schriftlich über den Verzicht auf die Konzession. Als Gründe wurden Unsicherheiten bei der Erfüllung von Umweltauflagen sowie das Verstreichen von Fristen für die Genehmigung von Abwassereinleitungen durch die kanarische Regierungsverwaltung genannt. Die Hafenbehörde stellt das Verfahren damit ein und archiviert die Akten.

Ökologische und wirtschaftliche Bedenken im Fokus

Das Projekt stand nicht nur wegen tierschutzrechtlicher Fragen in der Kritik, sondern auch aufgrund seiner ökologischen Bilanz. Da Oktopusse karnivore Raubtiere sind, erfordert ihre Aufzucht erhebliche Mengen an Proteinen. Berechnungen der Umweltorganisation Compassion in World Farming (CiWF) zufolge hätten für die geplante Jahresproduktion von 3.000 Tonnen Oktopusfleisch rund 28.000 Tonnen Wildfisch als Futter eingesetzt werden müssen. Kritiker argumentierten, dies würde den Druck auf bereits überfischte Ozeane weiter erhöhen und lokale Fischergemeinden belasten.

Zudem äußerten Experten Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität im Hafenbecken von Las Palmas sowie möglicher Biosicherheitsrisiken durch bakterielle Ausbrüche in Intensivhaltungsbecken.

Tierschutzorganisationen werten Absage als gesellschaftlichen Fortschritt

Internationale Tierschutzorganisationen reagierten erfreut auf das endgültige Ende der Pläne. Die Organisation PETA hatte im Vorfeld mit weltweiten Online-Kampagnen und Protesten gegen den Bau mobilgemacht. Über 172.000 Eingaben waren nach Angaben der Organisation bei den zuständigen Behörden auf Gran Canaria eingegangen.

Mimi Bekhechi, leitende Vizepräsidentin von PETA, begrüßte den Schritt des Unternehmens und betonte die kognitiven Fähigkeiten der Kopffüßer: Oktopusse seien hochintelligente, empfindungsfähige Solitärtiere, die Werkzeuge nutzen, komplexe Labyrinthe lösen und Schmerz empfinden können. In einer modernen Gesellschaft sei kein Platz für eine Industrie, die auf der Massenhaltung solcher Tiere basiere. Auch die Organisation Compassion in World Farming, die über 43.000 Bürgerbriefe an die Hafenbehörde übermittelt hatte, bezeichnete den Rückzug durch Dr. Elena Lara als bedeutenden Erfolg für den Meeres- und Artenschutz.

Signalwirkung für die globale Aquakultur

Das Aus für die Tintenfischfarm in Las Palmas fügt sich in einen weltweiten Trend ein. Während die Nachfrage nach Oktopusprodukten in Südeuropa und Ostasien in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist, wächst zeitgleich der rechtliche Widerstand gegen die Zucht von Kopffüßern. In den USA haben Bundesstaaten wie Kalifornien und Washington bereits Gesetze erlassen, die die kommerzielle Oktopuszucht verbieten. Ähnliche Gesetzesinitiativen werden derzeit auch in Ländern wie Chile, Mexiko und im Vereinigten Königreich diskutiert.

Die Entscheidung von Nueva Pescanova zeigt, dass künftige Aquakulturprojekte nicht nur wirtschaftlich und technologisch, sondern auch hinsichtlich ihrer Umwelt- und Tierschutzstandards kritisch geprüft werden. – MF

Weitere Artikel zum Thema:
Umstrittene Tintenfisch-Farm auf Gran Canaria: Folgt nun das endgültige Aus?, vom 14.07.2026
Tintenfischfarm in Las Palmas wohl doch nicht realistisch, vom 01.10.2023
Erste Tintenfisch-Farm der Welt in Las Palmas ab 2023? – Pro und Contra, vom 07.12.2022

Frisches AMAZON TOP-Angebot eingetroffen, nicht verpassen!

Alle News immer sofort auf das Handy? Jetzt unseren Telegram-Kanal abonnieren.
NEU: Folgen Sie Infos-GranCanaria.com direkt bei Google-News!
Jetzt auch unseren WhatsApp-Kanal abonnieren, um immer die neusten News zu erhalten!
Infos-GranCanaria.com ist auch blei BlueSky! HIER folgen!

Ähnliche Beiträge

Kurz vor der Wahl: Siam Park Gran Canaria nun angeblich nicht mehr weit von Lizenzvergabe entfernt

Thomas F. InfosGC

Die Kamel-Touren in den Dünen Maspalomas sollen laut Küstenbehörde verschwinden

Thomas F. InfosGC

Erneute Q-Award Auszeichnung für den Playa Las Canteras

Thomas F. InfosGC